1. ADEMED-Expedition 2008 - Annapurna Region, Nepal

Teilprojekt 3: Zahnmedizin für Trekker Zahnstatus von Trekkern, Probleme unterwegs und Kenntnisse über deren Versorgung

 

Obwohl Tausende von Touristen jährlich an irgendeiner Trekkingreise teilnehmen und diese Zahlen ständig steigen, liegen keine Daten vor, was unterwegs an zahnmedizinischen Zwischenfällen passiert und welche Prophylaxe betrieben wird, um derartige Probleme zu vermeiden. Außer dem allgemeinen Rat, die Zähne vor Abreise zahnärztlich kontrollieren zu lassen und unterwegs die übliche Zahnpflege durchzuführen, gibt es keinerlei systematisch untersuchten Hinweise zur Prävention. Daher verfolgte dieses Teilprojekt die folgenden Hauptziele:

  • Evaluation der Mund- und Zahnhygiene der Trekker während des Trekkings.

  • Ermittlung epidemiologischer Daten über die Häufigkeit zahnmedizinischer Probleme oder Notfälle während des Trekkings.

  • Erarbeitung von Vorschlägen die Prävention zu optimieren sowie die Trekker und Expeditionsbergsteiger in Erster Hilfe derartiger Probleme zu unterweisen.

 

ADEMED Research-Center in Manang - der Plaque-Index wird erhoben

Plaque-Index: Stadium IV bei einer Probandin in Manang

309 Trekker nahmen in Manang an dieser Studie teil. Für die meisten war dies der 6. Trekkingtag. Die Daten unfassten die Zahnpflege vor und während des Trekkings, die Ernährung, Check vor der Reise, Probleme unterwegs und zahnmedizinische Erste Hilfe-Ausrüstung und andere. Bei jedem wurde in Manag ein Zahnstatus erhoben, der Papillenblutungsindex bestimmt (PBI) sowie der Plaquie Index nach Quigley and Hein (QHI).

 

50 Teilnehmer (16,5%) berichteten oder zeigten Probleme, die mit einem zahnmedizinischen Notfallkit hätten behandelt werden können, wenn sie eines mitgeführt hätten. Die Zahnpflege war unterwegs signifikant schlechter und die meisten Trekker wiesen einen signifikant erhöhten PBI auf (Median bei Frauen: 2,25; Männer: 2,36). Personen, die innerhalb der letzten 6 Monate vor der Abreise eine zahnärztliche Überprüfung hatten vornehmen lassen, hatten signifikant weniger Probleme während des Trekkings, insbesondere weniger Zahnfleischbluten.

 

Offensichtlich wurden zahnmedizinische Probleme beim Trekking bislang dramatisch unterschätzt. Eine vorläufige Abschätzung der Prävalenz aufgrund der nun vorliegenden Daten ergibt folgendes:

Im Jahre 2007 haben insgesamt 60.237 Trekker die Annapurnarunde begangen (Zahlen von der Verwaltung des Annapurna Conservation Area) und haben dort im Mittel 15 Tage verbracht. Dies entspricht 903.550 Personentage. Mit den von uns erhobenen Prävalenzdaten ergibt sich, dass im Jahr 2007 insgesamt mehr als 30.000 zahnmedizinische Probleme bei den Reisenden der Region aufgetreten sind, wobei die Zahl der betroffenen Personen natürlich kleiner ist als die der Probleme, da einige Personen mehrere Probleme hatten. Insgesamt ist es 24.000x zu Zahnfleischbluten gekommen, 6.200x sind Zahnschmerzen aufgetreten, 1.700 Zähne wurden beschädigt und 2.600 Füllungen sind heraus gefallen. Auch wenn es sich hierbei um vorläufige Abschätzungen handelt, die durch weitere Untersuchungen bestätigt werden sollten, zeigen die Zahlen eindeutig die Dringlichkeit entsprechender Prävention und Erste Hilfe-Kenntnisse und –Ausrüstung. Es sollte dabei betont werden, dass bislang derartige Themen weder Teil der studentischen Ausbildung noch der reisemedizinischen Weiterbildung von Ärzten ist. Hier sollte zügig Abhilfe geschaffen werden.

 

Untersuchung der Zahnflora

 

Zahlreiche der aufgeführten Probleme sind ursächlich infektionsbedingt (Gingivitis usw.). Das während des Trekkings erhöhte Risiko kann nicht allein mit der reduzierten Hygiene erklärt werden. Nachdem Studien gezeigt hatten, dass Personen, die von Asien nach Europa kommen und dort nach einigen Monaten oder wenigen Jahren deutlich vermehrt an Zahnproblemen leiden, die von einer Verschiebung des Spektrums der Zahnkeime verursacht werden, sollte die Hypothese überprüft werden, ob eine ähnliche Verschiebung bei Europäern in Nepal zu beobachten sei und welche Keime es in welchem Ausmaß betreffen würde. Von besonderem Interesse ist dabei natürlich die potentiell pathogene Flora.

Mit kleinen Spezialpapierstiften wurden Proben aus den Sulci der Ramfordzähne entnommen. Diese wurden umgehen luftgetrocknet und später in dem Laboratorien der RWTH Aachen analysiert. Die Analyse erfolgte mittels T-RFLP, womit nicht nur praktisch das gesamte Keimspektrum abgebildet werden kann, sondern auch eine semiquantitative Analyse der Keime (“microbiological fingerprint”). Dadurch sind wir in der Lage, die Verschiebung des Keimspektrums zwischen dem Ausgangswert in Bhulbhule und der zweiten Probe in Manang exakt darzustellen. Die besonders interessanten Species (Spirochaeta, Prevotella intermedia, Porphyromonas gingivalis) wurden außerdem mittels RTQ-PCR in Doppeluntersuchung quantifiziert.

 

Derartige Analysen großer Probenzahlen erfordert einen enormen Arbeitsaufwand, weshalb die statistische Auswertung der Daten noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Was zum jetzigen Zeitpunkt aber festgehalten werden kann ist folgendes:

  1. Die Mundflora unterliegt während des Trekkings signifikanten Veränderungen.

  2. Offensichtlich gibt es “Indikator-Keime”, denn Mindestens ein Keim (noch nicht identifiziert) kommt ausschließlich bei Personen vor, die gingivale Probleme entwickeln.

 

Mindestens ein Keim (auch noch nicht identifiziert) kommt nahezu ausschließlich bei Personen vor, die keine Gingivaprobleme entwickeln.

Die Konsequenzen dieser Befunde sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar und die Ergebnisse müssen zunächst noch weiter statistisch abgesichert werden.

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