1. ADEMED-Expedition 2008 - Annapurna Region, Nepal

Teilprojekt 2: Sicherheitsmanagement von Trekkern – vorläufige Ergebnisse

 

Das Ziel dieses Teilprojektes war, das Sicherheitsmanagement von Trekkern zu untersuchen. Dabei sollten organisiert reisende mit individuell Reisenden verglichen werden.

 

Innerhalb von 18 Tagen nahmen 444 Personen an diesem Studienthema teil. Davon waren 289 Individualtrekker. 90% der Trekker hatten sich aus unterschiedlichsten Quellen über Gesundheits- und Sicherheitsaspekte der Reise informiert (54% beim Hausarzt, 58% im Internet, 65% mittels Literatur, 66% bei Freunden). Nur die Hälfte hatte einen ausreichenden Impfschutz für die Reise (69,6% Tetanus, 56,1% Diphtherie, 66,4% Hepatitis A, 64,7% Hepatitis B, Tollwut 46,0%, Typhus 57,1%. Erstaunlicherweise führten 48,4% eine Malariaprophylaxe durch, obwohl hierfür keine direkte Indikation bestand. In den meisten Fällen wurde dies durchgeführt, weil vorher oder nachher eine Reise in Malariagebiete stattfinden sollte, aber mindestens 10% nahmen die Prophylaxe ein, obwohl absolut keinerlei Indikation bestand.

 

Obwohl 76,1% der Trekker gute Hinweise zur Nahrungs- und Trinkwasserhygiene bekommen hatte, befolgten nur 57,4% diese Regeln. Die Impfempfehlungen, die vom Hausarzt gegeben worden waren, wurden nur von 2/3 der Trekker umgesetzt: Tetanus 78,5%, Diphtherie 60,2%, Hepatitis A 75,4%, Hepatitis B 71,6%, Tollwut 39,4% und Typhus 59,2%. Es ist bemerkenswert, dass 58,8% Medikamente gegen die akute Höhenkrankheit (AMS) einnahmen, obwohl sich diese auf dem Trek nach Manang durch simple Akklimatisation leicht verhindern lässt. Konservativ betrachtet führten sie alle Doping durch, denn alle in Frage kommenden Substanzen stehen auf der Dopingliste der WADA. Obwohl 17,3% irgendein medizinisches Problem oder gar einen Notfall auf dem aktuellen Trek hatten (3,8% benötigten einen Arzt, aber abgesehen von seltenen Zufällen war keiner da, bis sie die Station der Himalaya Rescue Association in Manang erreichten) verfügten nur 64,4% über grundlegende Erste Hilfe-Kenntnisse.

 

Die 155 Teilnehmer, die organisiert unterwegs waren, wiesen noch geringere Kenntnisse hinsichtlich ihres aktuellen Treks auf. Nur 63,2% hatten Informationen über das Höhenprofil der Tour, spezifische Anforderungen des Unternehmens waren 32,9% bekannt und 25,2% waren zumindest etwas darüber informiert, wie im Falle eines Notfalles grundsätzlich vorgegangen werden sollte. 68,4% berichteten über signifikante Verstöße gegen die Akklimatisationsregeln (zumeist stieg die Gruppe zu schnell zu hoch auf) und 25,2% war von der Reiseleitung empfohlen worden, Medikamente gegen die Höhenkrankheit einzunehmen. Obwohl 27,7% der Teilnehmer an irgendeiner chronischen Erkrankung litten war die Reiseleitung hierüber nur in 53,5% der Fälle informiert und die Betroffenen selbst hatten nur in 4,5% der Fälle individuellen medizinischen Rat vor der Abreise bekommen. Alle diese Faktoren können potentiell desaströs werden, wenn man noch einen anderen Faktor in Betracht zieht: nur 56,8% berichteten, dass eine realistische Möglichkeit zur Änderung der Reisepläne bestehen würde, nur 27,1% hatten irgendeine Vorstellung davon, wie ein Patiententransport organisiert werden könnte, nur 38,1% hatten das Gefühl eine realistische Chance zu haben im Notfall mittels EH versorgt zu werden und 21,9% hoffen auf medizinische Versorgung durch einen Arzt. Letzterer wäre in den meisten Fällen ein Reiseteilnehmer gewesen. Für alle besteht ein weiteres Problem: 12,3% berichteten von Unfällen oder signifikanten medizinischen Zwischenfällen während der aktuellen Tour!

 

Es müssen noch viele Daten analysiert und Fragen beantwortet werden, aber an dieser Stelle können wir bereits die folgenden Statements geben:

  1. Auch wenn einige Trekker fantastisch vorbereitet sind, ignoriert die große Mehrzahl der Trekker die Tatsache, dass medizinische Zwischenfälle oder gar Notfälle ein durchaus reales Problem darstellen und dass sie diese weitgehend selbständig in den Griff bekommen müssen in einer derart abgelegenen Region. Das gilt zumindest für die besonders dringlichen Probleme.

  2. Individual-Trekker sind besser vorbereitet als diejenigen, die organisiert reisen, aber beide Gruppen sind nicht in der Lage, ein effizientes Risikomanagement durchzuführen.

 

Es sind signifikante Defizite oder gar Fehler bei der Tourenplanung der Reiseveranstalter festzustellen, die meisten von ihnen betreffen die Höhenakklimatisation.

 

Zusammenfassend können wir zum jetzigen Zeitpunkt der Datenauswertung sagen, dass man sich eigentlich wundern muss, dass gefährliche Zwischenfälle beim Trekking relativ selten sind – mit Ausnahme der akuten Höhenkrankheit und ihren Komplikationen. Letztere stellen inzwischen eine Einkommensquelle für die lokale Bevölkerung dar, die mit ihren Yaks kranke Touristen vom Thorong La herunter holen und dabei gutes Geld verdienen.

 

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